Vernetzungstreffen 18.3.2026 zum Thema:
Warum ist es so schwer eine gute Lernumgebung für Kinder mit AD(H)S zu schaffen und wie kann es trotzdem gelingen?
Datum: 18.03.2026
Ort: Gesundheitsamt Mainz Bingen
Veranstalter: INKLUNIS e.V.
Beim INKLUNIS. Vernetzungstreffen zum Thema ADHS kamen Fachkräfte aus Schule, Beratung, Therapie und weiteren pädagogischen Arbeitsfeldern zusammen. Vertreten waren Menschen mit über 22 verschiedenen Berufen und 28 Schulen aller Schulformen. Ziel war es, Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und neue Impulse für den Schulalltag mitzunehmen.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Lernumgebungen so gestaltet werden können, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS besser lernen, sich sicher fühlen und ihre Stärken entfalten können.
Über das gezielte Einsetzen eines vorher-/ nachher Fragebogens wurden die Erwartungen der Teilnehmenden an das Treffen und die individuellen Veränderungen durch das Treffen erhoben. In der Abschlussauswertung zeigte sich eine positive Entwicklung. Die Klarheit über eigene Ziele und nächste Schritte nahm deutlich zu. Auch das Gefühl der Vernetzung mit anderen Fachkräften wurde nach dem Treffen höher eingeschätzt. Viele Teilnehmende berichteten, neue Kontakte geknüpft zu haben und gestärkt in ihren beruflichen Alltag zurückzugehen.
Der Nachmittag war in drei Bereiche gegliedert: Eine Input-Phase mit Vorträgen einer Kinder- und Jugendpsychiaterin, einer Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und einer Förderschullehrerin. Eine Arbeitsphase in Kleingruppen und eine Vernetzungsphase im Anschluss.
Zentrale Erkenntnisse aus den Arbeitsgruppen:
Eine tragfähige Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern wurde von allen Gruppen als wichtigste Grundlage für Lernen beschrieben. Emotionale Sicherheit, Verlässlichkeit und ein wertschätzender Umgang schaffen Vertrauen und ermöglichen Entwicklung. Herausforderndes Verhalten wurde häufig als Ausdruck innerer Belastung verstanden. Ein verstehender Blick eröffnet neue Handlungsmöglichkeiten.
Struktur und Klarheit geben Orientierung. Verlässliche Rituale, überschaubare Aufgaben und visualisierte Abläufe unterstützen die Selbstorganisation und reduzieren Stress. Diese Formen der Unterstützung kommen allen Kindern einer Lerngruppe zugute.
Auch die Gestaltung der Lernumgebung spielt eine wichtige Rolle. Ruhige Arbeitsplätze, Rückzugsmöglichkeiten, flexible Sitzformen und Bewegungsangebote wurden als hilfreiche Maßnahmen benannt. Sensorische Hilfsmittel wie Kopfhörer oder Bewegungselemente können die Konzentration fördern. Entscheidend ist dabei, gemeinsam mit den Kindern herauszufinden, welche Unterstützung individuell sinnvoll ist.
Ein weiterer wichtiger Impuls war die stärkere Beteiligung der Schülerinnen und Schüler an der Entwicklung von Lösungen. Schülerinnen und Schüler können diese meist sehr genau benennen, was ihnen im Alltag hilft. Regelmäßige Gespräche und Reflexionszeiten stärken Selbstwirksamkeit und Verantwortungsgefühl.
Zentral ist die Bedeutung von interdisziplinärer Zusammenarbeit Eine enge Vernetzung zwischen Schule, Eltern, therapeutischen Angeboten und weiteren Unterstützungssystemen wird als zentrale Voraussetzung für gelingende Förderung gesehen. Multiprofessionelle Teams, regelmäßiger Austausch und neue Organisationsformen wie Personalpools für Integrationskräfte können dazu beitragen, Belastungen zu reduzieren und Ressourcen wirksamer einzusetzen.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass Fachkräfte im Alltag häufig an Grenzen stoßen. Personelle, räumliche und organisatorische Rahmenbedingungen erschweren die Umsetzung individueller Unterstützung. Viele Teilnehmende sehen deshalb die Weiterentwicklung des gesamten Systems als notwendige Aufgabe.
Zusammenfassung nach Themenschwerpunkten (Umsetzungsmaßnahmen)
I. Struktur- und Personalmodelle
- Pool-Lösung für Integrationskräfte: Ein zentrales Anliegen ist der Wechsel von der individuellen 1:1-Betreuung hin zu einem flexiblen Personalpool für die ganze Klasse oder Schule. Dies reduziert Bürokratie und ermöglicht präventives Eingreifen.
- Multiprofessionelles Teamteaching: Die enge Verzahnung von verschiedenen Fachdisziplinen (Pädagogik, Sonderpädagogik, Sozialarbeit) im Unterricht wird als wichtigster Hebel zur Entlastung gesehen.
- Vernetzung der Institutionen: Institutionalisierter Austausch zwischen Schulen, Therapeuten und Jugendhilfe, um „Hilfe aus einer Hand“ zu ermöglichen.
II. Pädagogische Werkzeuge & Methodik
- Der „Erste-Hilfe-Koffer“: Bereitstellung von Tools (haptisch wie Fidget-Toys oder methodisch wie Notfallpläne), die Schüler bei Überreizung selbstständig nutzen können.
- Alternative Leistungsnachweise: Stärkere Nutzung von mündlichen Prüfungen, praktischen Arbeiten oder angepassten Layouts bei Tests, um die Stärken der Kinder in den Fokus zu rücken.
- Partizipation: Zielvereinbarungen werden gemeinsam mit dem Kind getroffen, um dessen Eigenverantwortung und Selbstwirksamkeit zu stärken.
III. Raumgestaltung & Sensorik
- Flexible Lernorte: Nutzung von Fluren, Differenzierungsräumen und „Lernbüros“. Räume sollten durch flexible Möblierung schnell zwischen „reizarm/konzentriert“ und „kooperativ/offen“ wechseln können.
- Sensorische Hilfsmittel: Normalisierung von Hörschutz (Kopfhörer), Stehtischen und Bewegungssitzkissen für die gesamte Lerngruppe.
- Positionswechsel: Die bewusste Erlaubnis, die Körperhaltung während des Lernens zu verändern (Stehen, Liegen, Bewegen), um die Selbstregulation zu unterstützen.
IV. Haltung & Prävention
- Normalisierung statt Sonderrolle: Maßnahmen zur Unterstützung von ADHS-Schülern sollten als Teil einer guten allgemeinen Pädagogik verstanden werden, die allen Kindern zugutekommt.
- Fokus auf den „Guten Grund“: Ein professioneller Perspektivwechsel, der störendes Verhalten als Hilferuf oder Ausdruck einer Not versteht, verändert die Interaktion nachhaltig.
Übergreifende Synthese & Ausblick
Die Expertise ist vorhanden, die Umsetzung scheitert jedoch oft an den Rahmenbedingungen.
- System-Transformation: Inklusion darf nicht als „Zusatzaufgabe“ verstanden werden, sondern erfordert ein Umdenken der gesamten Schulstruktur (Pool-Lösungen statt Einzelintegration).
- Ressourcen-Autonomie: Schulen benötigen mehr Flexibilität, um Personal und Räume bedarfsgerecht einzusetzen, ohne für jede Maßnahme auf eine externe Diagnose warten zu müssen.
- Selbstfürsorge durch Teamarbeit: Die Belastung der Lehrkräfte kann nur durch multiprofessionelle Teams und gegenseitige Supervision aufgefangen werden.
Fazit
Das Vernetzungstreffen hat gezeigt, dass bereits viele Erfahrungen und praxisnahe Ideen vorhanden sind. Eine lernförderliche Umgebung für Kinder mit AD(H)S ist zugleich eine gute Lernumgebung für alle. Entscheidend sind eine wertschätzende Haltung, klare Strukturen und die Bereitschaft zur gemeinsamen Weiterentwicklung von Schule. Die Impulse des Treffens sollen in weiteren Veranstaltungen vertieft werden.
Wir danken allen Teilnehmenden für den offenen Austausch, die Ideen und das gemeinsame Weiterdenken.
Best Practice gesucht
Wir freuen uns über kurze anonymisierte Praxisberichte aus Ihrem Arbeitsalltag.
Gute Ideen veröffentlichen wir auf unserer Homepage unter „Best Practice Beispiele“. Eine Anleitung zur Erstellung eines solchen Beispiels.
Das nächste Vernetzungstreffen mit dem Thema: "Schüler und Schülerinnen mit Besonderheiten in der sozial-/ emotionalen Entwicklung in der Schule. Kann das funktionieren? Ja! - Ein systemischer Ansatz." findet am 17.06.2026 statt. Einladung folgt. Weitere Informationen finden Sie zu gegebener Zeit an dieser Stelle auf unserer Homepage.
Termine
2026
Januar
02.01.2026 - Vorstandssitzung
13.01.2026 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
16.01.2026 - Teilnahme am startsocial Stipendiatentag Berlin
Februar
06.02.2026 - Vorstandssitzung
10.02.2026 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
26.02.2026 - Ende der Beratungsphase des startsocial Stipendiums
März
06.03.2026 - Vorstandssitzung
10.03.2026 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
18.03.2026 - diese Veranstaltung ausgebucht - Vernetzungstreffen zum Thema: „Warum ist es so schwer eine gute Lernumgebung für Kinder mit ADHS zu schaffen und wie kann es trotzdem gelingen?“ Sie möchten Ankündigungen zu den nächsten Veranstaltungen von INKLUNIS. erhalten? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular
24.03.2026 - Arbeitstreffen (17 Uhr) mit anschließendem Abendessen (19:30 Uhr)
April
03.04.2026 - Vorstandssitzung
14.04.2026 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
Mai
01.05.2026 - Vorstandssitzung
12.05.2026 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
Juni
05.06.2026 - Vorstandssitzung
09.06.2026 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
17.06.2026 - Vernetzungstreffen zum Thema: "Schüler und Schülerinnen mit Besonderheiten in der sozial-/ emotionalen Entwicklung in der Schule. Kann das funktionieren? Ja! - Ein systemischer Ansatz." Sie möchten zu dieser Veranstaltung eingeladen werden? Schreiben Sie uns über das Kontaktformular. Achtung: Das Kontaktformular kann nur erfolgreich gesendet werden, wenn alle hierfür notwendigen Felder ausgefüllt sind.
Juli
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14.07.2026 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
August
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11.08.2026 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
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04.09.2026 - Vorstandssitzung
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Termin noch offen - Vernetzungstreffen zum Thema Autismusspektrum
Oktober
02.10.2026 - Vorstandssitzung
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10.11.2026 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
Dezember
04.12.2026 - Vorstandssitzung
08.12.2026 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
2025
September
05.09.2025 - Vorstandssitzung
09.09.2025 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
Oktober
03.10.2025 - Vorstandssitzung
14.10.2025 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
November
01.11.2025 - Beginn der Beratungsphase des startsocial Stipendiums
03.11.2025 - Teilnahme startsocial Kickoff-Veranstaltung Frankfurt
07.11.2025 - Vorstandssitzung
11.11.2025 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
12.11.2025 - Netzwerktreffen
Dezember
05.12.2025 - Vorstandssitzung
09.12.2025 - Online Arbeitstreffen (20 Uhr)
